Dauer und Aufbau: Das 72-Monate-Curriculum
Die reguläre Weiterbildungszeit beträgt mindestens 72 Monate bei Vollzeitbeschäftigung. Das Curriculum gliedert sich in zwei Hauptabschnitte: die 24-monatige Basisweiterbildung im Gebiet Chirurgie (oft als 'Common Trunk' bezeichnet) sowie die 48-monatige Spezialweiterbildung in Orthopädie und Unfallchirurgie.
Bis zu 12 Monate der Weiterbildung können im ambulanten Bereich (z. B. in einer orthopädischen Praxis oder einem MVZ) absolviert werden, sofern eine entsprechende Weiterbildungsbefugnis der Landesärztekammer vorliegt. Dies bietet wertvolle Einblicke in die konservative Orthopädie, Schmerztherapie, Infiltrationstechniken und postoperative Nachsorge abseits des Akutkrankenhauses. Hierbei erlernen Weiterbildungsassistenten auch die Abrechnungsgrundlagen nach dem Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) und der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Die ambulante Versorgungsrealität ergänzt somit die stationäre Akuttraumatologie um essenzielle Aspekte der langfristigen Patientenführung und konservativen Behandlungsstrategien.
Wichtige Kriterien & Checkliste:
- 24 Monate Basisweiterbildung Chirurgie
- 48 Monate Facharztweiterbildung Orthopädie und Unfallchirurgie
- 6 Monate Notfallaufnahme UND 6 Monate operative Intensivmedizin (kumulativ 12 Monate)
- Optional: Bis zu 12 Monate in einer befugten ambulanten Praxis / MVZ
- Mindestens 36 Monate stationäre Patientenversorgung an einer Akutklinik
Pflichtabschnitt: Notfallaufnahme und Intensivmedizin
Ein essenzieller Bestandteil der Facharztweiterbildung ist die Absolvierung von 6 Monaten in einer Notfallaufnahme sowie weiteren 6 Monaten in der Intensivmedizin (kumulativ 12 Pflichtmonate). In diesen Abschnitten erwerben Sie elementare Kenntnisse im Schockraummanagement nach ATLS-Standards, in der Beatmungsmedizin, im invasiven Monitoring und in der Akuttraumatologie.
Planen Sie diesen Rotationsabschnitt frühzeitig mit Ihrem Chefarzt, da die Plätze auf der Intensivstation und in der Notaufnahme in vielen Kliniken heiß begehrt und langfristig im Rotationsplan vergeben sind. Das fundierte Beherrschen vitalbedrohlicher Notfälle verleiht Ihnen die nötige Ruhe für zukünftige Hintergrund- und Bereitschaftsdienste. Zudem fordert das DGU-TraumaNetzwerk für zertifizierte regionale und überregionale Traumazentren nachweisbare Schockraum-Erfahrungen im Diensthabenden-Team.
Das elektronische Logbuch (eLogbuch) und Mindestrichtzahlen
Seit Einführung der novellierten Weiterbildungsordnungen wird die Weiterbildung über das eLogbuch der jeweiligen Landesärztekammer dokumentiert. Im Mittelpunkt stehen definierte kognitive und Methodenkompetenzen sowie verbindliche operative Eingriffszahlen.
Zu den geforderten Mindestzahlen gehören unter anderem Osteosynthesen sämtlicher Schwierigkeitsgrade, Gelenkpunktionen, diagnostische und therapeutische Arthroskopien, Primärendoprothetik an Hüfte und Knie, konservative Frakturbehandlungen sowie Weichteileingriffe. Führen Sie Ihr Logbuch kontinuierlich und lassen Sie Abschnitte in den jährlichen Weiterbildungsgesprächen gegenzeichnen. Regelmäßige Soll-Ist-Abgleiche schützen vor Ausbildungsrückständen kurz vor der Prüfungsanmeldung. Die Kompetenzstufen gliedern sich transparent in kognitives Wissen, Handlungskompetenz unter Supervision und die abschließende selbstständige Beherrschung der operativen Interventionen.
Klinikwahl und Weiterbildungsbefugnisse prüfen
Nicht jede Klinik besitzt die volle Weiterbildungsbefugnis über 72 Monate. Kleinere Häuser oder Spezialabteilungen verfügen häufig nur über 24, 36 oder 48 Monate Befugnis. Informieren Sie sich vor Antritt einer Stelle im offiziellen Weiterbildungsregister der zuständigen Landesärztekammer.
Häufig bilden Verbundweiterbildungen zwischen Universitätskliniken, Maximalversorgern und spezialisierten orthopädischen Fachkliniken die ideale Kombination, um das gesamte Spektrum von der Polytrauma-Versorgung bis zur hochspezialisierten Revisionsendoprothetik abzudecken. Bei einem anstehenden Klinikwechsel unterstützen Sie unsere Leitfäden zur Bewerbung in der Orthopädie und zum ärztlichen Lebenslauf. Im diskreten Ärzte-Talentpool können Sie zudem Ihren aktuellen WBO-Monatsstand hinterlegen und sich gezielt von Kliniken mit passenden Weiterbildungsbefugnissen finden lassen.
Die Facharztprüfung vor der Landesärztekammer
Nach vollständiger Ableistung der Weiterbildungszeit und Erreichen sämtlicher Richtzahlen im eLogbuch reichen Sie Ihren Antrag auf Zulassung zur Facharztprüfung bei der Landesärztekammer ein. Dem Antrag liegen die Zeugnisse aller Weiterbildungsstätten, das vollständig gegengezeichnete Logbuch und der OP-Katalog bei.
Die Prüfung ist ein etwa 30- bis 45-minütiges kollegiales Fachgespräch vor einer Prüfungskommission (meist bestehend aus drei Fachärzten). Geprüft werden praxisnahe Fallbeispiele aus Diagnostik, Indikationsstellung, operativer Taktik, Komplikationsmanagement und konservativen Behandlungsoptionen. Eine strukturierte Vorbereitung mit gängigen Facharzt-Repetitorien sichert den Prüfungserfolg.
WBO-Matching im Ärzte-Talentpool
Hinterlegen Sie Ihren WBO-Monatsstand und lassen Sie sich gezielt von Kliniken mit passenden Weiterbildungsbefugnissen finden.
Zum Talentpool (WBO-Matching)Zusammenfassung: Das Wichtigste für Ihre Karriere
Kompakte Kernaussagen und Handlungsempfehlungen der Fachredaktion.
- 72 Monate Gesamtdauer: 24 Monate Basisweiterbildung + 48 Monate Facharztcurriculum.
- Pflichtrotationen Notfall & Intensiv: Verbindlich je 6 Monate Notfallaufnahme UND 6 Monate operative Intensivmedizin (12 Monate kumulativ).
- Ambulante Option: Bis zu 12 Monate können in zugelassenen Praxen oder MVZ-Strukturen abgeleistet werden.
- Laufende eLogbuch-Pflege: Eingriffszahlen und Kompetenzen kontinuierlich dokumentieren und jährlich gegenzeichnen lassen.
- Befugnisumfang prüfen: Achten Sie bei der Stellenwahl darauf, wie viele Monate die Chefärzte der Abteilung ermächtigt sind.
- Prüfungszulassung: Vollständiges eLogbuch, OP-Kataloge und lückenlose Weiterbildungszeugnisse sind zwingende Voraussetzungen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Kompakte Antworten der ärztlichen Fachredaktion zu diesem Themengebiet.
Kann die Weiterbildung in Orthopädie und Unfallchirurgie in Teilzeit absolviert werden?
Wie viele Operationen muss ich für die Facharztprüfung nachweisen?
Was kostet die Facharztprüfung vor der Landesärztekammer?
Werden Weiterbildungszeiten im Ausland anerkannt?
Was geschieht, wenn ein Chefarzt die Weiterbildungsbescheinigung verweigert?
Die in diesem Ratgeber veröffentlichten Leitfäden dienen der Orientierung und Information für Ärztinnen und Ärzte in Orthopädie und Unfallchirurgie. Sie stellen keine Rechts-, Steuer-, Renten- oder individuelle Weiterbildungsberatung dar. Verbindliche Weiterbildungsinhalte und Richtzahlen richten sich ausschließlich nach der Weiterbildungsordnung (WBO) der jeweils zuständigen Landesärztekammer.
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